Ich war
die Krawatte
von Prinz Claus


Z.K.H. Prins Claus.
A man barely alive.
Gentlemen, we can rebuild him.
And will do so.

 

 

 
 

Herzlich willkommen in Fortuynia. Ein bescheidenes Königreich, das seit Jahr und Tag seine Prinzgemahle aus Allemania bezieht. Was macht ein unauffälliger Allemanianer namens Claus, der mit der königlichen Tretmühle nicht zurechtkommt? Er wird gründlich depressiv. Oder er revoltiert. Auf seine eigene bescheidene Weise. Symbolisch wirft er seine Krawatte weg: »Die Sündenschnur, die wir heutzutage benutzen, um Anstand messbar zu machen, werft sie weg.»

Zwölf ebenso skurrile wie humorvolle Episoden aus dem Leben von Claus von Amsberg, der 1966 die niederländische Thronfolgerin und heutige Königin Beatrix heiratete. Variationen über den Widerspruch von Krawattenzwang und offenem Kragen, bühnenreif gemacht von Regisseur Frank Heuel (fringe ensemble). Dazu zwölf Mal abgefahrene Musik mit Tempo, dramatischem Tiefgang und Erlösung zwischen Eisler-Songs, Jazz und Art Rock.

Jan Klare compositie | Nick J. Swarth libretto
Frank Heuel regie | Eduardo Serú bühnenbild | Volker Sippel licht
Claudia Ostermann kostüme | Tobias Mennemeier ton
Antje Grajetzky produktionsleitung
Kathrin Mander vocals | Rik Elstgeest vocals | Lilian Maria vocals
Martin Scholz keys | Arend Niks percussion | Jan Klare reeds

 
Speeldata
12 aug. 2004, Theaterfestival
Boulevard Den Bosch NL (première)
13 aug. 2004, middag|avond, Theaterfestival
Boulevard Den Bosch NL
19 nov. 2004, Pumpenhaus Münster, Duitsland
20 nov. 2004, Pumpenhaus Münster, Duitsland
21 nov. 2004, November Music Den Bosch NL
 
 

Lied 1. Gleichgültigkeitslied

Als Krawatte hängt man am besten ’rum.
Eh Jungs, guck mal: ich bin so dumm, dass ich brumm.
Die Leute glotzen und kichern und tratschen wie verrückt.
Egal! Nicht du, sondern das Herrchen hat sich geschmückt.

Wenn man ’ne Krawatte ist landet man in brenzligen Lagen,
Hängt an einem der salonunfähig ist, Bösewicht oder Blage.
Man ist Textil, liegt schließlich für jeden zum Greifen da.
Ihr ergebener Freund? Dass glauben Sie doch nicht, etwa.

Ob man ein Reißer ist, oder neben sämtliche Töpfe pisst,
Schreib dies gut hinter die Ohren, damit es keiner vergißt:
Eh, tut mir leid! Mich juckt es nicht, ich stell mich dumm.

Als Krawatte hängt man am besten ’rum.

 
 

Lied 3. In Fortuynia!

(Uta)
Wo gibt’s ein schmachtendes Ländchen?
Wo gibt’s ’ne Königin auf Freiersfüßen?
Wo darf jeder seinen Senf dazu geben,
Ohne es gleich mit dem Tode zu büßen?

Wo gibt es so ein niedliches Ländchen?
Wo sind die Einwohner wohltemperiert?
Wo küsst man einander, vermählen sich
die Schwulis und stirbt man koordiniert?

O Mann, gleich nebenan! In Fortuynia!

(Claus) 
Fortuynia? Waren wir nicht neulich da?
Mit Fahnen und Kanonen?
“Wo steckt der Witz?
Euer Krieg war allzu Blitz!”

(Uta) 
Wo verstehen die Leute eben keinen Spass,
Heben ihre Finger und beschweren sich blass,
Sind aber fleißig und haben Köpfe aus Käse,
machen aus ihrem Leben eine satte Polonäse?

Wo spicken die Dirnen die Staatliche Kasse,
hat der Pragmatist Sparsamkeit verfügt:
Nicht bis zur dritten Verbeugung applaudieren
Wenn angeblich die Zweite genügt…

O Mann, gleich nebenan! In Fortuynia!

(Claus) 
Dort sind wir doch neulich fortgegangen?
In Fortuynia hat’s gestiebt!
Ein tausendjähriges Reich in zwölf Jahren,
Dort sind wir wohl nicht sehr beliebt.

(Uta)
Wir? Wieso wir? Waren Sie denn dabei?
Sie waren ein Kind und ‘nicht betroffen’,
Ein armes Ding in einem Urwald aus Blei.
Der Garten nebenan ist aber hell und offen.

O Mann, gleich nebenan! In Fortuynia!
 
 
 
 
 

Lied 8. Das Lied vom einsamen Schlips im Schrank

Ich sprach zum würdigen Herrn der Kammer.
Er hat für jedes Schloss einen Schlüssel parat.
Er lebt am Ende des Arms, der immer akkurat
Fürsten kleidet mit Sachen aus diesem Schrank.

Herr Schlüsselfigur! Nach mir langt Ihr Arm.
Nach mir hat er heut’ Morgen gewiss gefragt!
Oh, Sie lassen mich links liegen; blinder Alarm.
Wie totgesagt ist wer seinem Prinz nicht behagt.

Dann klappt die Tür zu, schließt sich die Gruft,
Schlägt das Licht wie eine Fliege aus der Luft.
Eine Maus nagt, trachtet mir nach dem Leben.
Im Stockduster kann man das leicht vergeben.

Tot morgen, Heer Sleutelfiguur!
Bis morgen, gnädiger Herr Schlüsselfigur!
Bis morgen, bis morgen!

 
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